Eine Schublade voller eigener Songs

Langeweile ist für Giovanni Passarotto ein Fremdwort und Spaghetti gibt es nach dem italienischen Familienrezept.

von Sonja Weichert

Aktuell_Portrait_Giovanni_alsKindDie Liebe zur Musik wurde Giovanni Passarotto sicher schon in die Wiege gelegt, denn gesungen hat er schon immer. Doch mit dem Klavier des Lehrmeisters fing alles erst so richtig an. Der 1947 im Flüchtlingslager Klagenfurt (Österreich) geborene Italiener fand schon als kleiner Junge seine Wurzeln in Deutschland, legte aber nie die italienische Staatsbürgerschaft ab. „Alles sehr kompliziert“, erzählt Giovanni. Der Großvater stammte aus Norditalien, die Großmutter aus Schaumburg- Lippe, der Vater ein Italiener aus Stadthagen. Doch in der frühen Nachkriegszeit ging alles andere Wege. Giovanni – auf Deutsch wäre es Johannes – wurde im Pass des Vaters eingetragen, in anderen Urkunden mit deutschem Namen. „… das wäre schon eine ganze Geschichte für sich.“

Doch wieder zurück zum Klavier. Seine Schulzeit hat Giovanni in Stadthagen absolviert – Mathe lag ihm besonders gut – und so ergab es sich, dass er als 15-jähriger eine Lehre zum Einzelhandelskaufmann im Gemischtwarenhandel antrat. Da war es; das Klavier! Das Interesse zum ersten Instrument war so groß, dass Giovanni sich das Spielen darauf selbst beibrachte. Gesungen wurde natürlich weiter.

Mitte der 70er waren es die Mitmach-Musik-Events wie „Je-ka- mi“, an denen der Musiker teilnahm und 1976 ging es dann mit der ersten Band los. „Musik- Force“, fünf junge Männer, ein Ziel – die Musik. Aktuell_Portrait_Giovanni_Erste BandDieses Ziel sollte fortan auch den Lebensunterhalt bestreiten. Als „Kurgastmusiker“ in Bad Eilsen, später auch in Bad Oeynhausen, wurden dann die Brötchen für die vierköpfige Familie verdient. Mit Ehefrau Annerose hat Giovanni zwei Kinder, Tochter Graziella und Sohn Rafael. Wobei die Tochter das musikalische Talent vom Vater mitbekommen hat: „Sie ist eindeutig musikalisch noch begabter als ich“, gibt Giovanni dann voller Vaterstolz zu.

Mit der RIO-Band ging es dann zu zweit im Jahr 1992 los und bereits 1994 kam Tochter Graziella als Frontfrau dazu. So ist es immer noch; Vater und Tochter als gut eingespieltes Team – der dritte im Bunde hat vor zwei Jahren gewechselt. Erfolgreich ist die RIO-Band nach wie vor, doch die Geschicke leitet seit einiger Zeit Tochter Graziella. Aktuell_Portrait_Giovannni_am KlavierAber in Giovanni schlummern viele Talente, so gab es Zeiten, in denen er neben der Musik Portrait-Zeichnungen anbot und viele eigene Songs schrieb. Die verschwanden bislang unter dem Motto „Lieder, die die Welt nicht braucht“ immer nur in einer Schublade und warten quasi darauf, gehört zu werden.

Giovanni, der seit zwei Jahren eigentlich Rentner ist, lebt mit seiner Annerose in Bad Eilsen in einem Häuschen „unten am steilen Hang“ mit einem kleinen Garten, deren Pflege allerdings kaum Zeit braucht: „… denn zum Kaffeetrinken brauche ich länger als zum Rasen mähen“. Und der Rasenmäher dazu wird praktischerweise, bei so kleinen Wiesenstücken, mit dem Nachbarn geteilt. Dafür bleibt mehr Zeit für Unternehmungen, geselliges Miteinander, Fotobearbeitungen, Skat oder Schach spielen. Gerne auch viele Sachen gleichzeitig, denn „…ich verzettele mich auch gerne mal, deshalb hab ich nie Zeit“. „Typischer Zwilling halt, Hans Dampf in allen Gassen“, lacht Annerose.

Die italienische Ahnenlinie macht Giovanni nicht nur zum sehr familiären Menschen, natürlich kocht er auch gerne Spaghetti mit Soße nach dem Familienrezept für alle: „Nicht ohne ein Glas Rotwein, das gehört dazu“. Giovanni‘s Welt, hier im Heft, gehört auch zu dem, was den RIO Musiker so ausmacht. Da erzählt er Geschichten von Geschenken für wunschlos Glückliche, dem verlorenen Paradies und dem, was das Alter so mit sich bringt. Ach ja, nicht zu vergessen, d a s Einkaufen, das ist im Hause Passarotto die Aufgabe des Hausherren. „Gelernt ist gelernt, ich kenne ja die Wege noch aus vergangenen Zeiten im Gemischtwarenhandel.“

Auf die Frage, was die Zukunft bringen soll, hat Giovanni noch ein paar „Listenpunkte“, die abgearbeitet werden müssen, und: „Irgendwann werde ich noch eine CD mit eigenen Songs machen, doch erst mal gibt es für Annerose eine neue Küche!“

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