Von Konstantinos Manolis, Physiotherapeut

Egal ob Mensch, Tier oder Natur. Ursprünglich befindet sich alles in einem Gleichgewicht. Medizinisch redet man von der sogenannten Homöostase. Diese gerät durch äußere Reize aus dem Lot und es kommt zu einem Ungleichgewicht.

Gesund & Fit_Weserphysio_Konstantin ManolisDieser Zustand ist nicht besorgniserregend, sondern völlig normal. Der Körper bewältigt diese Aufgabe mehrmals am Tag. Er gerät aus dem Gleichgewicht, verarbeitet die Reize und passt sich der neuen Situation an, er stellt ein neues Gleichgewicht her. Um diese Aufgabe einwandfrei bewältigen zu können, benötigt er Energie. Außerdem müssen Belastbarkeit und Belastung sich die Waage halten.

Eine Möglichkeit ist also, dass ein leerer Energiespeicher dazu führt, dass der Körper das Gleichgewicht nicht wiederherstellen kann und die Reize nicht adäquat verarbeitet werden können. Es kommt zu einer Überbeanspruchung. Belastung und Belastbarkeit sind aus dem Lot. Die Grenze der Belastbarkeit ist herabgesetzt, begünstigt durch z.B. Infekte, Stress, Unfälle u.v.m. Der Körper ist anfällig für Schäden.

Ein zweites Szenario ist eine zu enorme Belastung. Diese kann entstehen durch zu viele Reize oder angemessene Reizeinflüsse, aber eine zu lange Zeitspanne in der der Reiz verarbeitet werden musste. Und wieder ist der Körper anfällig für Schäden.

Ein mögliches Beispiel:

Frau Hansen strickt jeden Abend eine Stunde. Sie strickt weil es ihr Spaß macht und sie sich dabei entspannen kann. Nun steht aber Weihnachten vor der Tür und da sie fünf Enkelkinder hat, die sich alle eine selbstgestrickten Schal wünschen, strickt Frau Hansen nicht eine sondern fünf Stunden am Tag. Es macht ihr keinen Spaß so lange zu stricken, sondern verursacht Stress. Sie bekommt Nackenschmerzen, strickt aber weiter bis Nachts. Am nächsten Morgen geht es ihr wieder gut. Also setzt sie sich wieder fünf Stunden statt wie gewohnt eine hin und strickt weiter. Die Beschwerden kommen wieder. Auch am nächsten Morgen sind sie noch da. Zwei weitere Tage benötigt sie, um alle Schals fertigzustellen. Hand und Nacken schmerzen. Ihr Arzt stellt eine aktivierte Arthrose im Daumensattelgelenk fest. Die sogenannte Rhizarthrose. Die Dauer der Belastung war zu lang. Die Grenze der Belastbarkeit wurde überschritten. Es kam zu einer Gelenkentzündung. Nun klagt Frau Hansen über schmerzhafte Bewegungseinschränkungen beim Greifen und Halten von Gegenständen.

Die Rhizarthrose ist die häufigste vorkommende Verschleißerkrankung der Hand. Sie lässt sich symptomatisch gut behandeln. Es gibt sowohl konservative als auch operative Methoden zur Schmerzlinderung und Bewegungserweiterung. Zu den konservativen Möglichkeiten zählt die Vermeidung von Überlastung. Dies kann durch das Tragen einer Bandage unterstützt werden. Ebenso können die Schmerzen mit Elektrotherapie behandelt werden. Zertifizierte Handtherapie hilft sowohl zur Schmerzlinderung als auch Bewegungserweiterung. Hier wird mit Manueller Therapie und anderen Techniken sowohl direkt am betroffenen Gelenk, als auch über benachbarte Gebiete wie Brustwirbelsäule und Schulter positiv ins Geschehen eingegriffen. Sollte die Krankheit bereits zu weit fortgeschritten sein oder die konservative Therapie nicht anschlagen, so bleibt die Möglichkeit eines operativen Eingriffs, wie z.B. die Resektionsarthroplastik, das Einsetzen einer Endoprothese oder einer Versteifung des Daumens.

Frau Hansen hätte durch das Einlegen von Erholungspausen, durch Dehnungsübungen und Bewegungsübungen der Hand, des Armes und der Wirbelsäule das Auslösen der Gelenkentzündung vermeiden können. Denn dadurch hätte sie die Grenze der Belastbarkeit nicht überschritten und durch eine bessere Stoffwechselaktivität ihre Energiespeicher aufgefüllt.

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